{"id":1992,"date":"2023-06-10T18:57:02","date_gmt":"2023-06-10T16:57:02","guid":{"rendered":"http:\/\/work.economic-literacy.eu\/the-foundations-of-well-being-foundational-economy\/"},"modified":"2024-03-14T08:35:33","modified_gmt":"2024-03-14T07:35:33","slug":"the-foundations-of-well-being-foundational-economy","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/work.economic-literacy.eu\/de\/the-foundations-of-well-being-foundational-economy\/","title":{"rendered":"Die Alltags\u00f6konomie: Grundlage f\u00fcr unser aller Wohlergehen"},"content":{"rendered":"\n<p>W<em>as ist wirtschaftlicher Erfolg? Die Alltags\u00f6konomie ist eine Idee, die uns ermutigt zu hinterfragen, was in unserer Wirtschaft wirklich z\u00e4hlt.\u00a0<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kennst du diesen Moment, in dem dir bewusst wird, dass du es vermieden hast, dich um einige wichtige Aufgaben zu k\u00fcmmern, die eigentlich wichtig im Leben sind: \u00e4rztliche Untersuchungen, die Pflege deiner Wohnung oder die F\u00fcrsorge f\u00fcr deine Liebsten? Diese Dinge kannst du kurzfristig vernachl\u00e4ssigen, aber irgendwann beginnen sie, sich auf dein Wohlbefinden auszuwirken. Stell dir vor, wir machen dasselbe im gro\u00dfen Stil in unseren Volkswirtschaften: Wir schenken den wesentlichen Aufgaben des Lebens und den Menschen, die sie ausf\u00fchren, nicht genug Aufmerksamkeit. Denke an Kinderbetreuung, M\u00fcllentsorgung oder Lebensmittelversorgung, ohne die wir ernsthafte Probleme h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um sowohl die Bedeutung als auch die prek\u00e4ren Bedingungen der sogenannten \u201csystemrelevanten Arbeit\u201d in unserer Wirtschaft zu thematisieren, hat eine Gruppe von Sozialwissenschaftler*innen den Begriff der <strong>Alltags\u00f6konomie<\/strong> (engl. Foundational Economy) erfunden [1]. Die Alltags\u00f6konomie umfasst die Wirtschaftsbereiche der allt\u00e4glichen Bed\u00fcrfnisse: Energie, Wasser, Wohnen, Internet und Lebensmittelversorgung genauso wie Bildung, Gesundheitswesen und Kinderbetreuung. Der Begriff hinterfragt den Glauben der Marktfundamentalisten, dass wir in einer &#8222;einzigen austauschbaren Wirtschaft&#8220; leben, in der Marktpreise allein widerspiegeln und sinnvoll steuern, was wir wertsch\u00e4tzen. Interessanterweise konnten wir w\u00e4hrend der Corona-Pandemie klar sehen, wie Regierungen weltweit tats\u00e4chlich kritische Infrastrukturen und systemrelevante Arbeit gegen\u00fcber anderen Teilen der Wirtschaft Vorrang einger\u00e4umt haben, entgegen der Marktlogik. In den momentanen (und sich zuspitzenden) sozialen und \u00f6kologischen Krisen wird die Priorisierung der Alltags\u00f6konomie ebenso eine Schl\u00fcsselrolle spielen, um eine gerechte und nachhaltige Gesellschaft zu erreichen [2]. Lassen Sie mich drei Gr\u00fcnde daf\u00fcr nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens wei\u00df jede*r, dass wir den Konsum von Grundg\u00fctern und -dienstleistungen wie Lebensmitteln, Energie, Gesundheitsversorgung oder lokalen Mobilit\u00e4tsdienstleistungen kaum aufschieben k\u00f6nnen (ohne Schaden anzurichten). Die Alltags\u00f6konomie macht einen gro\u00dfen Teil dessen aus, wof\u00fcr die Menschen Geld ausgeben, insbesondere in Haushalten mit geringem Einkommen, und die aktuelle Krise der Lebenshaltungskosten spielt sich vor allem in diesen Sektoren ab. Wie wir die grundlegenden Teile unserer Wirtschaft organisieren, beeinflusst also, wie viel Geld wir tats\u00e4chlich brauchen, um ein w\u00fcrdevolles Leben f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Um sicherzustellen, dass jeder in unserer Gesellschaft auf grundlegender Ebene abgesichert ist (bei der gleichzeitig notwendigen drastischen Reduzierung der CO2-Emissionen), m\u00fcssen wir die Grundversorgung f\u00fcr alle zug\u00e4nglich machen, indem wir z.B. mehr \u00f6ffentliches Eigentum schaffen, niedrige Steuern f\u00fcr Grundbed\u00fcrfnisse einf\u00fchren oder sogar ein Recht auf universelle Grunddienstleistungen etablieren [3]. Private Unternehmen die in solchen kritischen Sektoren, von denen alle abh\u00e4ngig sind, wirtschaften d\u00fcrfen, haben ein gro\u00dfes Privileg, das mit sozialen und \u00f6kologischen Verantwortlichkeiten einhergehen muss (was von den Begr\u00fcndern des Konzepts als &#8222;soziale Lizenzierung&#8220; bezeichnet wird).<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens enth\u00e4lt die Alltags\u00f6konomie das, was Menschen unterschiedlicher Werthaltungen, von Konservativen bis Progressiven, gemeinsam haben: allt\u00e4gliche Grundbed\u00fcrfnisse und der Wunsch, dass die n\u00f6tigen Infrastrukturen gut funktionieren [4]. Dieser Fokus auf geteilte Erfahrung, Bed\u00fcrfnisse und R\u00e4ume ist in Zeiten von Krisen, in denen Angst und Polarisierung tendenziell zunehmen, noch wichtiger als sonst und erm\u00f6glicht Ver\u00e4nderung anzugehen. Der Ausbau gemeinsamer Infrastrukturen, bezahlbarer Wohnraum, Parks oder \u00f6ffentliche Verkehrsmittel k\u00f6nnen den sozialen Zusammenhalt und das Vertrauen in ein funktionierendes Gemeinwesen erh\u00f6hen und gleichzeitig Klimaschutz voranbringen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens erfordert die Klimakrise eine tiefgreifende Transformation klimasch\u00e4dlicher Wirtschaftssektoren, was die berechtigte Angst vor weit verbreiteter Arbeitslosigkeit aufwirft. Weil diese m\u00e4chtigen Sektoren (wie fossilen Gro\u00dfunternehmen) sehr viel Aufmerksamkeit erhalten, untersch\u00e4tzen wir tendenziell, wie viele Menschen in der Alltags\u00f6konomie arbeiten: diese Wirtschaftsbereiche machen zwischen einem Drittel und der H\u00e4lfte aller bezahlten Arbeitspl\u00e4tze in den meisten Volkswirtschaften aus [5]. Bedenken Sie au\u00dferdem den gro\u00dfen Umfang unbezahlter reproduktiver Arbeit (der oft \u00fcbersehene Teil des Eisbergs, der die bezahlte Wirtschaft am Laufen h\u00e4lt), und Sie stellen fest: Es gibt genug systemrelevante Arbeit, die zu dem oft nicht automatisiert werden kann (ohne Schaden zu verursachen), und die entscheidenden Fragen der Zukunft sind die Bedingungen und die Verteilung dieser Arbeit. Die Pandemie hat den oft unhaltbaren Zustand der wesentlichen Jobs und der Bedingungen f\u00fcr reproduktive Arbeit hervorgehoben: un(ter)bezahlt, \u00fcberarbeitet und wenig gesch\u00fctzt, wobei migrantische Arbeitskr\u00e4fte und Frauen am st\u00e4rksten betroffen sind [siehe 4]. Wir k\u00f6nnten das umkehren, die Alltags\u00f6konomie in den Mittelpunkt stellen und eine versorgende Wirtschaft schaffen. Ich denke, das erfordert auch eine sehr andere Art und Weise, Wirtschaft zu verstehen: &#8222;Wirtschaft ist Care\u201d (F\u00fcrsorge)[6].<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bildrechte:<\/strong> \u00a0<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@sunburned_surveyor?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Scott Blake<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/DodJfxuH46I?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<br><br><\/a><strong>Quellen:\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/foundationaleconomy.com\/introduction\/\">https:\/\/foundationaleconomy.com\/introduction\/<\/a>&nbsp; und <a href=\"about:blank\">http:\/\/alltags\u00f6konomie.at\/<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/www.opendemocracy.net\/en\/oureconomy\/times-climate-breakdown-how-do-we-value-what-matters\/\">https:\/\/www.opendemocracy.net\/en\/oureconomy\/times-climate-breakdown-how-do-we-value-what-matters\/<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/hotorcool.org\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Universal-Basic-Services-Provisioning-for-our-needs-within-a-fair-consumption-space.pdf\">https:\/\/hotorcool.org\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Universal-Basic-Services-Provisioning-for-our-needs-within-a-fair-consumption-space.pdf<br><br><\/a>[4] <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/359719329_Lebensweisen_und_Infrastrukturen_des_Alltaglichen_Lebens_Transformative_Innovationen_fur_eine_Zukunftsfahige_Alltagsokonomie_in_Wien_am_Beispiel_Atzgersdorf\">https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/359719329_Lebensweisen_und_Infrastrukturen_des_Alltaglichen_Lebens_Transformative_Innovationen_fur_eine_Zukunftsfahige_Alltagsokonomie_in_Wien_am_Beispiel_Atzgersdorf<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/thinktank\/en\/document\/IPOL_STU(2021)695491\">https:\/\/www.europarl.europa.eu\/thinktank\/en\/document\/IPOL_STU(2021)695491<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[6] <a href=\"https:\/\/wirtschaft-ist-care.org\/english\/\">https:\/\/wirtschaft-ist-care.org\/english\/<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Autor:<\/strong> Sven-David Pfau, Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh7-us.googleusercontent.com\/R6rxvQRYf4xCihW8gafNCC6dIuR9E7vuJYpwfxirnB1oLfzaRxbcACbz5-MSDgW_l377JP1o9m3Ep3g2KMyQraOPyW3gq0onkTgebZM2aYAK5sghVWickU_uH-g7kwi4-uOSSBz6_qPy\" alt=\"Ein Bild, das Symbol, Grafiken, Schrift, Kreis enth\u00e4lt.\n\nAutomatisch generierte Beschreibung\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser Text wird gem\u00e4\u00df den Bestimmungen der Creative Commons-Lizenz ver\u00f6ffentlicht: CC BY-SA 2.0. Der Name des Autors lautet wie folgt: Sven-David Pfau. Der Text und die Materialien d\u00fcrfen unter folgenden Bedingungen reproduziert, verteilt, \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht, geteilt und angepasst werden: In jedem Fall muss der Name des Autors, die Lizenz sowie die Website-Adresse der Originalquelle ver\u00f6ffentlicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Von der Europ\u00e4ischen Union finanziert im Programm Erasmus+. Die ge\u00e4u\u00dferten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschlie\u00dflich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europ\u00e4ischen Union oder der Nationalagentur wider. Weder die Europ\u00e4ische Union noch die\u00a0 Nationalagentur k\u00f6nnen daf\u00fcr verantwortlich gemacht werden<\/em> \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/weltgewandt.polis\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/weltgewandt.polis\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/@weltgewandte.v.269\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist wirtschaftlicher Erfolg? 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