{"id":1978,"date":"2023-12-12T15:07:03","date_gmt":"2023-12-12T14:07:03","guid":{"rendered":"http:\/\/work.economic-literacy.eu\/symptoms-of-growth-addiction\/"},"modified":"2024-03-14T08:43:15","modified_gmt":"2024-03-14T07:43:15","slug":"symptoms-of-growth-addiction","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/work.economic-literacy.eu\/de\/symptoms-of-growth-addiction\/","title":{"rendered":"Symptome der Wachstumsabh\u00e4ngigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der \u00dcbergang zur Nachhaltigkeit erfordert, dass wir unsere sucht-\u00e4hnliche Abh\u00e4ngigkeit vom Wirtschaftswachstum erkennen und \u00fcberwinden. Hier ist eine Liste der Symptome.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die wichtigste Erkenntnis der \u00f6kologischen Wirtschaftsforschung besteht m\u00f6glicherweise gar nicht darin, dass es klare \u00f6kologische und soziale Grenzen des Wachstums gibt (wie im letzten Beitrag besprochen), sondern dass unser System s\u00fcchtig nach Wachstum ist. Mehrere Autor*innen haben die Analogie der Sucht verwendet, um unsere Fixierung auf Wachstum um jeden Preis zu beschreiben [1, 2]. Ich will zun\u00e4chst klarstellen, dass Abh\u00e4ngigkeiten in all ihren verschiedenen Formen nichts sind, wof\u00fcr man sich sch\u00e4men muss, und das ist kein moralisierender Blogbeitrag. Wir stigmatisieren und individualisieren Sucht und damit verbundene Gesundheitsprobleme und isolieren die Betroffenen. Es gib einen starken Mythos, dass Sucht ein Nischenph\u00e4nomen ist, wogegen Abh\u00e4ngigkeiten sehr weit verbreitet sind und sich nicht nur auf Drogen oder Gl\u00fccksspiel beschr\u00e4nken: Wenn Arbeit eine Sucht ist, sind wir zum Beispiel beeindruckt und bewundern Menschen als wahre &#8222;Workaholics&#8220; [3].<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Analogie der Wachstumabh\u00e4ngigkeit zu erkunden, habe ich Folgendes gemacht: Ich habe Listen von Symptomen von Substanzabh\u00e4ngigkeiten durchst\u00f6bert und dabei W\u00f6rter im Zusammenhang mit der Sucht durch W\u00f6rter im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Hamsterrad ersetzt: Wirtschaftswachstum, Konsum, Einkommen, Arbeit, Stress und F\u00fcrsorge. Die urspr\u00fcngliche Liste der Symptome findet man hier [4]. Beim Lesen dieser muss man sich vorstellen, dass sie von verschiedenen Rollen gesagt werden (oder intern gef\u00fchlt werden): als Politiker*in, als CEO oder als B\u00fcrger*in. Schau selbst, welche Symptome Du beobachten kannst und welche nich:<\/p>\n\n\n\n<p>WACHSTUMSSUCHT-Symptome oder Verhaltensweisen sind unter anderem:<br><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Gef\u00fchl, dass WIR regelm\u00e4\u00dfig KONSUMIEREN m\u00fcssen &#8211; t\u00e4glich oder sogar mehrmals am Tag&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Intensive Verlangen nach WIRTSCHAFTLICHEM WACHSTUM, die alle anderen Gedanken blockieren&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Mit der Zeit mehr EINKOMMEN ben\u00f6tigen, um den gleichen Effekt zu erzielen&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>L\u00e4ngere ARBEITSZEIT \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum als WIR beabsichtigt hatten<\/li>\n\n\n\n<li>Sicherstellen, dass WIR einen Vorrat an KONSUM haben&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Geld f\u00fcr KONSUM ausgeben, obwohl wir es uns nicht leisten k\u00f6nnen&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Verpflichtungen und F\u00dcRSORGE-Verantwortlichkeiten nicht erf\u00fcllen oder soziale oder Freizeitaktivit\u00e4ten wegen ARBEIT einschr\u00e4nken&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Weiterhin WIRTSCHAFTLICH WACHSEN, obwohl WIR wissen, dass es Probleme in UNSEREN GESELLSCHAFTEN verursacht oder UNS k\u00f6rperlichen oder psychischen Schaden zuf\u00fcgt&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Dinge tun, um DAS WIRTSCHAFTSWACHSTUM voranzutreiben, die WIR normalerweise nicht tun w\u00fcrden, wie stehlen&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>KONSUMIEREN oder andere Aktivit\u00e4ten aus\u00fcben, wenn man gestresst ist&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Eine betr\u00e4chtliche Zeit damit verbringen, EINKOMMEN zu erhalten, zu KONSUMIEREN oder sich von ARBEIT zu erholen&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Versagen bei Versuchen, den KONSUM zu stoppen&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Entzugssymptome erleben, wenn man versucht, das WIRTSCHAFTSWACHSTUM zu stoppen&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Analogie hilft mir (mit einem Augenzwinkern) zu zeigen, wie sehr wir auch im Lichte katastrophaler Konsequenzen weiterhin nach Gewohnheit handeln. Sie spricht aber auch eine Erfahrung an, die viele Menschen in der aktuellen Wirtschaftsweise haben: Wir haben st\u00e4ndig keine Zeit und keine Kapazit\u00e4t, uns um das zu k\u00fcmmern, was wir eigentlich wichtig finden, und f\u00fchlen uns in einem Hamsterrad gefangen. Unser Wirtschaftssystem wird buchst\u00e4blich Teil unserer inneren Psyche und schafft &#8222;mentale Infrastrukturen&#8220; die auf Wachstum ausgerichtet sind [5], wenn unsere Kultur uns zum Beispiel lehrt, dass wir unsere Optionen, Aktivit\u00e4ten und Kapital st\u00e4ndig erweitern m\u00fcssen, um wertvoll zu sein. Das bedeutet auch, dass wir in einer Wirtschaftsweise gefangen sind, in der soziale Teilhabe immer an steigendes Einkommen gekn\u00fcpft ist und wir den Druck versp\u00fcren, unsere Position zu verteidigen [6]. So wie Sucht kein individuelles Problem ist, so ist auch unsere untragbare Wachstums\u00f6konomie kein individuelles Problem. Was das Suchtbild nicht vermittelt: Die Vorteile des Wachstums werden nicht gleichm\u00e4\u00dfig geteilt, und soziale Ungleichheit ist ein Haupttreiber dieses Teufelskreises. Wenn wir uns dessen bewusst werden, dass wir kollektiv abh\u00e4ngig von Wachstum sind, wird deutlich, dass wir eine drastische Transformation von Arbeits-, Versorgungs- und Verteilungsstrukturen brauchen, um unseren Weg zu nachhaltigem Wohlbefinden frei zu machen. Wie bei der Heilung von Sucht bedeutet Degrowth, das Wachstum mit einem geplanten, f\u00fcrsorglichen und kollektiven Ansatz zu entziehen, anstatt durch einen abrupten Entzug (\u201cby desaster\u201d), was marginalisierte Menschen immer am st\u00e4rksten betrifft.<\/p>\n\n\n\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/yorkspace.library.yorku.ca\/items\/e05d0bc4-8723-46f3-ad38-be58edef71cc\">https:\/\/yorkspace.library.yorku.ca\/items\/e05d0bc4-8723-46f3-ad38-be58edef71cc<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/degrowth.info\/en\/library\/our-addiction-to-economic-growth-is-killing-us\">https:\/\/degrowth.info\/en\/library\/our-addiction-to-economic-growth-is-killing-us<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/www.healthline.com\/health\/addiction\/work#diagnosis\">https:\/\/www.healthline.com\/health\/addiction\/work#diagnosis<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[4] <a href=\"https:\/\/www.mayoclinic.org\/diseases-conditions\/drug-addiction\/symptoms-causes\/syc-20365112\">https:\/\/www.mayoclinic.org\/diseases-conditions\/drug-addiction\/symptoms-causes\/syc-20365112<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/sites\/default\/files\/endf_mental_infrastructures.pdf\">https:\/\/www.boell.de\/sites\/default\/files\/endf_mental_infrastructures.pdf<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[6] Dean curran (2017). The Treadmill of Production and the Positional Economy of Consumption. Canadian Review of Sociology. <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1111\/cars.12137#cars12137-note-0012_67\">https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1111\/cars.12137#cars12137-note-0012_67<\/a><br><br><strong>Bildrechte:<\/strong><a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@freddymarschall?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\"> Frederick Marschall<\/a> auf<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/%EA%B4%80%EB%9E%8C%EC%B0%A8-%EA%B7%BC%EC%B2%98%EC%97%90%EC%84%9C-%EA%B0%80%EB%B2%BC%EC%9A%B4-%EC%82%AC%EC%A7%84-%EC%B4%AC%EC%98%81-z4LFjQU5FHQ?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\"> Unsplash<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autor:<\/strong> Sven-David Pfau, Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh7-us.googleusercontent.com\/9V6NaDZUmsN-JQvbLHUDo14patGrBdV4ugUCflZHeWgo51SLyi7UvkvTQwXeRgDlRu1sgDq05x4Bt-sN9N7g1keAcqtuICIf1h0rbqablH50ThHPI95t4UQDvj0c_Nal2YQkCZBwTdfaW2WY3ga_qPM\" alt=\"Ein Bild, das Symbol, Grafiken, Schrift, Kreis enth\u00e4lt.\n\nAutomatisch generierte Beschreibung\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser Text wird gem\u00e4\u00df den Bestimmungen der Creative Commons-Lizenz ver\u00f6ffentlicht: CC BY-SA 2.0. Der Name des Autors lautet wie folgt: Sven-David Pfau. Der Text und die Materialien d\u00fcrfen unter folgenden Bedingungen reproduziert, verteilt, \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht, geteilt und angepasst werden: In jedem Fall muss der Name des Autors, die Lizenz sowie die Website-Adresse der Originalquelle ver\u00f6ffentlicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Von der Europ\u00e4ischen Union finanziert im Programm Erasmus+. Die ge\u00e4u\u00dferten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschlie\u00dflich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europ\u00e4ischen Union oder der Nationalagentur wider. Weder die Europ\u00e4ische Union noch die&nbsp; Nationalagentur k\u00f6nnen daf\u00fcr verantwortlich gemacht werden<\/em> &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00dcbergang zur Nachhaltigkeit erfordert, dass wir unsere sucht-\u00e4hnliche Abh\u00e4ngigkeit vom Wirtschaftswachstum erkennen und \u00fcberwinden. 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