{"id":1902,"date":"2023-02-24T23:16:06","date_gmt":"2023-02-24T22:16:06","guid":{"rendered":"http:\/\/work.economic-literacy.eu\/der-digitale-fussabdruck-und-die-grenzen-des-wachstums-teil-1-energieverbrauch\/"},"modified":"2024-03-14T08:38:28","modified_gmt":"2024-03-14T07:38:28","slug":"der-digitale-fussabdruck-und-die-grenzen-des-wachstums-teil-1-energieverbrauch","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/work.economic-literacy.eu\/de\/der-digitale-fussabdruck-und-die-grenzen-des-wachstums-teil-1-energieverbrauch\/","title":{"rendered":"Der digitale Fu\u00dfabdruck und die Grenzen des Wachstums Teil 1: Energieverbrauch"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die gr\u00fcnen Versprechen der Digitalisierung kritisch betrachtet.<\/em><br><br>Ich f\u00fchre gerade eine Diskussion mit einer Freundin, und um zu zeigen, dass ich klug bin, verwende ich das komplizierte Wort \u201edialektisch\u201c. Nach einer Nachfrage, was ich damit meine, merke ich, dass ich den Begriff eigentlich gar nicht erkl\u00e4ren kann, und wende mich an die beliebte k\u00fcnstliche Intelligenz ChatGPT um Hilfe. Doch was erwartet mich dort? \u201eChatGPT ist derzeit ausgelastet (\u2026) wir benachrichtigen Sie,\u00a0 wenn wir zur\u00fcck sind.\u201c<br>Was? Das klingt f\u00fcr mich wie eine digitale Version eines T\u00fcrschilds in einem Tante Emma Laden, auf dem steht: \u201eVor\u00fcbergehend geschlossen, bin gleich wieder da.\u201c Kapazit\u00e4tsgrenzen im Internet &#8211; eine Irritation, die mich nachdenklich macht. Erstens, zeigt es mir, wie schnell wir uns an ein Gef\u00fchl der unendlichen und sofortigen Verf\u00fcgbarkeit gew\u00f6hnen, besonders im digitalen Raum. Zweitens wird f\u00fcr mich daran auch deutlich, dass wir uns an eine Geschichte der Grenzenlosigkeit gew\u00f6hnt haben, wovon die neueste Version sagt, dass die Digitalisierung uns erm\u00f6glichen wird, alle \u00f6kologischen Grenzen des Wirtschaftswachstums zu \u00fcberwinden. Ich bin skeptisch und frage mich, welche realen \u00f6kologischen Auswirkungen die Digitalisierung eigentlich hat und wie sie sich zu den Grenzen des Wachstums verh\u00e4lt, denen wir gegen\u00fcberstehen. Gl\u00fccklicherweise hat sich eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe zum Thema \u201eDigitalisierung und Nachhaltigkeit\u201c der Aufgabe bereits angenommen, diese Beziehung systematischer zu betrachten [1]. In einem Papier fragen sie, wie sich die zunehmende Verbreitung von Informationstechnologie (ICT) in der Wirtschaft auf den Energieverbrauch auf makro\u00f6konomischer Ebene auswirkt [2]. Der Energieverbrauch ist deshalb so interessant, weil er einer der wichtigsten Triebkr\u00e4fte f\u00fcr \u00f6kologische Probleme ist. Wie sich der Energieverbrauch durch Digitalisierung ver\u00e4ndert h\u00e4ngt ihnen zu folge <strong>von der St\u00e4rke von vier verschiedenen Konsequenzen der Digitalisierung <\/strong>ab (Abbildung): Zwei Effekte k\u00f6nnen den Energieverbrauch verringern (gr\u00fcn), w\u00e4hrend zwei ihn erh\u00f6hen (rot).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh7-us.googleusercontent.com\/7x7ga5KhSiRF-6l31cb3EmPiOnXk08_EBuw1W-GT-eV1NK8M6btSXrkNnofoqLeuwYNVKv44Rs5EkMMGc_Tx5gi676qfDLGo1DAJA3tGxmLIEJQxXOdIW9UaVvYmYT1uGHFtvHFtdf_fJauro8Gnbg\" alt=\"C:UsersspfauAppDataLocalMicrosoftWindowsINetCacheContent.Word1-s2.0-S0921800919320622-ga1_lrg.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n<\/p>\n<p>\n\n\n<p>1.) Ein gr\u00fcner Faktor der Digitalisierung ist <strong>die potentielle Steigerung der Energieeffizienz:<\/strong> Denken Sie an reduzierten Autoverkehr durch Videokonferenzen, energieeffizientere Produktionsprozesse oder intelligente Logistik, die Transportenergie spart. Dieser Effekt ist ziemlich einfach nachvollziehbar und in Diskussionen um nachhaltige Digitalisierung omnipr\u00e4sent.<br><br>2.) Ein weiteres gr\u00fcnes Potenzial ist der mit der Digitalisierung einhergehende <strong>Strukturwandel<\/strong>: Stellen Sie sich vor, mehr wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten, Produkte und Arbeitspl\u00e4tze verlagern sich durch die Digitalisierung von industriellen Sektoren zu Dienstleistungssektoren. Dienstleistungssektoren sind im Allgemeinen weniger energieintensiv, was zu einem geringeren Energieverbrauch f\u00fchren k\u00f6nnte. Wir h\u00f6ren auch viel \u00fcber diesen Effekt der Digitalisierung, doch das ist nicht das ganze Bild.<br><br>3.) Die <strong>direkten Effekte<\/strong> der Digitalisierung beziehen sich auf die gesamte Energie, die ben\u00f6tigt wird, um Server zu betreiben und zu k\u00fchlen, Algorithmen zu trainieren, Servergeb\u00e4ude zu nutzen, Daten zu \u00fcbertragen, Mitarbeiter einzusetzen usw. Die digitale Welt ben\u00f6tigt eine reale und materielle und energieintensive Infrastruktur, Orte und Menschen, die daran arbeiten.<br><br>4.) Neben diesen greifbaren Effekten der Digitalisierung gibt es auch einen indirekten: <strong>Wirtschaftswachstum <\/strong>durch Erh\u00f6hung der Arbeitsproduktivit\u00e4t. F\u00fcr viele ist das auch genau das Ziel der Digitalisierung, aber das Problem ist, dass Wachstum eng mit steigendem Energieverbrauch verbunden bleibt und somit die Digitalisierung auch steigenden Energieverbrauch ansto\u00dfen kann.<\/p>\n\n\n<\/p>\n<p>\n\n\n<p>Ob die Digitalisierung uns am Ende dabei hilft, Energie zu sparen, ist nicht so einfach zu sagen, denn uns fehlen genaue Daten f\u00fcr alle vier Aspekte, und es ist schwer zu messen, welche Effekte tats\u00e4chlich der Digitalisierung zuzurechnen sind. Die Autor*innen versuchen dennoch, mit den bestehenden Daten Tendenzen aufzuzeigen, und kommen zu dem Schluss, dass <strong>die Digitalisierung bisher den Gesamtenergieverbrauch in der Wirtschaft eher zu erh\u00f6hen scheint.<\/strong> Okay, k\u00f6nnten Sie sagen, aber warum sollte es mich interessieren, wenn der Energieverbrauch steigt, wenn wir ja einfach gr\u00fcne Energiequellen verwenden k\u00f6nnen? Ist das dann nicht auch nachhaltig? Das Problem ist, dass wir noch sehr weit davon entfernt sind, 100% erneuerbare Energie zu erreichen (im Strom, aber vor allem auch im W\u00e4rmebereich), und es wird viel schwieriger, dieses Ziel zu erreichen, wenn der Energieverbrauch gleichzeitig steigt. Aus diesem Grund k\u00f6nnen wir durchaus in Frage stellen, ob die Digitalisierung die M\u00f6glichkeit f\u00fcr gr\u00fcnes Wachstum erh\u00f6ht. In einer anderen Studie zu Digitalisierung und gr\u00fcnem Wachstum kommen die Autor*innen zu dem Schluss, dass<em> \u201e\u2026die Digitalisierung an sich nicht zu einer ausreichenden absoluten Entkopplung f\u00fchrt, d. h. zu einer ausreichenden Reduzierung von Ressourcen- und Energiebedarf sowie Umweltauswirkungen, um wichtige Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, wie die Begrenzung der globalen Erw\u00e4rmung auf oder unter 1,5 Grad Celsius\u201c<\/em> [3].<\/p>\n\n\n<\/p>\n<p>\n\n\n<p>Also, was k\u00f6nnen wir daraus lernen: Die Ausbreitung digitaler Technologien und digitaler Sektoren hat reale \u00f6kologische Auswirkungen, die mehr Aufmerksamkeit brauchen. Digitalisierung ist nicht an sich nachhaltig, sondern es h\u00e4ngt von dem politisch-wirtschaftlichen Rahmen ab, den wir ihr in unserer Gesellschaft geben, welche der genannten Effekte gef\u00f6rdert werden. Dies wird das n\u00e4chste Thema dieser zweiteiligen Blogserie sein, in der wir uns mit dem Konzept der \u201edigitalen Suffizienz\u201c auseinandersetzen.<\/p>\n\n\n<\/p>\n<p>\n\n\n<p><strong>Quellen: (last access on 21.02.2023)<\/strong><br>[1] <a href=\"http:\/\/www.nachhaltige-digitalisierung.de\/\">www.nachhaltige-digitalisierung.de\/<\/a><br>[2] Lange, S.; Pohl, J.; Santarius, T. Digitalization and energy consumption. Does ICT reduce energy demand? <em>Ecological Economics<\/em> <strong>2020<\/strong>, <em>176<\/em>. Available at: <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0921800919320622?via%3Dihub\">https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0921800919320622?via%3Dihub<\/a><br>[3]<sup> <\/sup>Santarius, T.; Pohl, J.; Lange, S. Digitalization and the Decoupling Debate: Can ICT Help to Reduce Environmental Impacts While the Economy Keeps Growing? <em>Sustainability<\/em> <strong>2020<\/strong>, <em>12<\/em>, 7496. Available at: <a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/2071-1050\/12\/18\/7496\">https:\/\/www.mdpi.com\/2071-1050\/12\/18\/7496<\/a>&nbsp; p. 12.<br><br><strong>Autor:<\/strong> Sven-David Pfau, Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien&nbsp;<\/p>\n\n\n<\/p>\n<p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh7-us.googleusercontent.com\/r3nPwPSarIAzVrbULdRDshbyl1bxNQej0qx8yGlxrZbcxfhEbOv6etT57gKMfuYVA_VjXJZRmhiWxnj0G2O66XzdpPttDtIc6UQFGSusqZp76f4-lbMUkfJiFjuLkudAITnvhLF0QgTY\" alt=\"Ein Bild, das Symbol, Grafiken, Schrift, Kreis enth\u00e4lt. Automatisch generierte Beschreibung\"\/><\/figure>\n\n\n<\/p>\n<p>\n\n\n<p>Dieser Text wird gem\u00e4\u00df den Bestimmungen der Creative Commons-Lizenz ver\u00f6ffentlicht: CC BY-SA 2.0. Der Name des Autors lautet wie folgt: Sven-David Pfau. Der Text und die Materialien d\u00fcrfen unter folgenden Bedingungen reproduziert, verteilt, \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht, geteilt und angepasst werden: In jedem Fall muss der Name des Autors, die Lizenz sowie die Website-Adresse der Originalquelle ver\u00f6ffentlicht werden.<br><em>Von der Europ\u00e4ischen Union finanziert im Programm Erasmus+. Die ge\u00e4u\u00dferten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschlie\u00dflich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europ\u00e4ischen Union oder der Nationalagentur wider. Weder die Europ\u00e4ische Union noch die&nbsp; Nationalagentur k\u00f6nnen daf\u00fcr verantwortlich gemacht werden.<\/em><\/p>\n\n\n<\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gr\u00fcnen Versprechen der Digitalisierung kritisch betrachtet. 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